Mitten im Sommer oder im tiefsten Winter beginnt im Körper deines Pferdes bereits die Vorbereitung auf die nächste Jahreszeit. Fellwechsel ist kein oberflächlicher Prozess. Er ist Hochleistung für Stoffwechsel, Haut und Immunsystem.
Wenn der Fellwechsel stockt, zeigt das fast immer: Der Organismus arbeitet am Limit. Wer versteht, wie Fellwechsel funktioniert, kann gezielt unterstützen – statt nur abzuwarten.
Warum Pferde mit dem Fellwechsel früher beginnen als wir denken
Pferde orientieren sich nicht an Temperaturen, sondern an der Tageslichtlänge. Sobald sich die Photoperiode verändert, startet im Hintergrund die Bildung des neuen Fells.
Normale Temperaturverläufe lassen den Fellwechsel gleichmäßig ablaufen. Starke Schwankungen – plötzliche Hitze oder Kälteeinbrüche – können ihn bremsen. Gerade in Übergangsphasen ist die Thermoregulation stark gefordert. Das kostet Energie und kann das Immunsystem belasten.
Alter, Genetik und Rasse spielen ebenfalls eine Rolle. Ältere Pferde wechseln oft langsamer, weil ihr Stoffwechsel weniger effizient arbeitet.
Der Stoffwechsel im Ausnahmezustand - Nährstoffbedarf im Fellwechsel
Fell besteht nicht aus „nichts“. Für jedes neue Haar braucht der Körper Baumaterial. Während des Fellwechsels steigt der Bedarf an Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und Vitaminen deutlich.
Schwefel (MSM): Baustein für Fell, Haut und Hufe
Organischer Schwefel (MSM) ist zentral für:
- Neubildung von Fell und gesunder Haut
- Wachstum stabilen Hufhorns
- Schleimhautschutz der Atemwege
- Entgiftungsprozesse
Schleppender Fellwechsel, schwaches Hufwachstum oder unerklärlicher Husten können Hinweise auf einen Schwefelmangel sein.
Zink: Schlüsselmineral für Haut und Immunsystem
Zink ist an über 300 Stoffwechselvorgängen beteiligt. Es unterstützt:
- Hautregeneration
- Immunsystem
- Entgiftung
- Säure-Basen-Ausgleich
Stumpfes Fell, Schuppen, Juckreiz oder erhöhte Infektanfälligkeit können auf Zinkmangel hinweisen.
Eine gezielte Ergänzung von MSM und Zink kann den Fellwechsel deutlich stabilisieren – vorausgesetzt, die Basisversorgung stimmt.
Ursachenforschung statt Symptombehandlung
Wenn Fellwechselprobleme regelmäßig auftreten, liegt meist mehr dahinter. Mängel entstehen nicht zufällig. Häufige Ursachen sind:
- Fehler in Haltung und Fütterung
- gestörtes Darmmilieu
- Belastung mit toxischen Substanzen
- unzureichend aufgefüllte Nährstoffspeicher
Ein ausgewogenes anorganisches Mineralfutter, ergänzt durch Vitamine bei Bedarf, bildet die Grundlage. Ohne stabile Basis bleibt jede Zusatzgabe Stückwerk.
Bewegung und Pflege: unterschätzte Helfer im Fellwechsel
Bewegung ist Stoffwechselaktivierung. Als Lauftier braucht das Pferd regelmäßige, ausgedehnte Bewegung, idealerweise viele Stunden im gleichmäßigen Schritt. Das unterstützt Verdauung, Durchblutung und Organfunktionen.
Regelmäßiges Putzen beschleunigt das Entfernen abgestorbener Haare und fördert die Durchblutung der Haut. Beides entlastet den Organismus.
Entgiftung im Fellwechsel: sinnvoll, aber individuell
Fellwechsel ist auch Entlastungszeit. Den Organismus beim Ausleiten zu unterstützen kann hilfreich sein – aber nicht pauschal. Jedes Pferd reagiert anders. Bestimmte Kräuter oder Entgiftungsstrategien können bei Vorerkrankungen ungeeignet sein.
Hier gilt: individuell prüfen statt blind anwenden. Unsere Stoffwechselexpertin kann gerne kontaktiert werden. Ihre Kontaktdaten findest du am Ende dieses Beitrages.
Hormonelle Steuerung: Wie Licht den Fellwechsel kontrolliert
Der Fellwechsel wird hormonell über die Tageslichtlänge gesteuert.
Melatonin: Startsignal für den Fellwechsel
Das in der Zirbeldrüse gebildete Hormon Melatonin steigt bei längerer Dunkelheit an. Es signalisiert dem Körper: Winter kommt. Die Produktion des Winterfells beginnt.
Im Frühjahr sinkt der Melatoninspiegel wieder.
Prolaktin: Taktgeber des Haarzyklus
Prolaktin, gebildet im Hypophysenvorderlappen, steuert den Haarfollikelzyklus. Hoher Melatoninspiegel hemmt Prolaktin und fördert dichtes Winterfell. Mit zunehmendem Tageslicht steigt Prolaktin – das Sommerfell setzt sich durch.
Diese hormonelle Feinabstimmung erklärt, warum Licht wichtiger ist als Temperatur.
Wenn Fellwechsel zum Warnsignal wird
Problematischer Fellwechsel kann sich zeigen durch:
- stark verzögertes Haaren
- struppiges, glanzloses Fell
- erhöhte Infektanfälligkeit
- Leistungsschwäche
Spätestens jetzt lohnt sich ein genauer Blick auf Stoffwechsel, Fütterung und Haltung.
Fazit: Fellwechsel ist ein Gesundheitstest für den ganzen Organismus
Fellwechsel ist kein kosmetisches Ereignis. Er ist ein Stresstest für Stoffwechsel, Haut und Immunsystem. Mit gezielter Nährstoffversorgung, Bewegung, durchdachter Pflege und individueller Unterstützung kannst du dein Pferd spürbar entlasten.
Ein Pferd, das leicht durch den Fellwechsel kommt, zeigt das ein System funktioniert.
Autorin:
Melanie Golz, Tel.: 0170-2636213, Mail: melanie-golz@web.de
Ernährungsberatung für Pferde, Stoffechselberatung, Erstellen individueller Therapiekonzpte
Foto: www.myhorse.care I Anja Seifert