Gesunde Pferdehaut: Aufbau, Funktionen und Ursachen von Hautproblemen

Gesunde Pferdehaut: Aufbau, Funktionen und Ursachen von Hautproblemen

Viele Hautprobleme beim Pferd beginnen leise: etwas Schuppen, stumpfes Fell, leichter Juckreiz. Doch die Pferdehaut ist ein hochaktives Organ . Sie schützt, entgiftet und zeigt früh, wenn im Körper etwas aus dem Gleichgewichtsgerät kommt.

Wer Hautprobleme nur oberflächlich behandelt, bekämpft Symptome. Wer die Haut versteht, stärkt die Gesundheit des ganzen Pferdes. Dieser Artikel erklärt dir Schritt für Schritt, wie Pferdehaut funktioniert, warum Hauterkrankungen entstehen und was wirklich hilft .

Die drei Schichten der Haut

Die Pferdehaut besteht aus drei Schichten, die wie ein präzise abgestimmtes Schutzsystem zusammenarbeiten.

  • Oberhaut - Epidermis
  • Lederhaut - Dermis oder Corium
  • Unterhaut - Subcutis

Oberhaut (Epidermis) – die äußere Schutzbarriere

Die Epidermis ist die erste Verteidigungslinie gegen Umwelteinflüsse. Sie besteht aus 5 Schichten:

  • Hornschicht (Stratum corneum)
  • Glanzschicht (Stratum lucidum)
  • Körnerschicht (Stratum granulosum)
  • Stachelzellschicht (Stratum spinosum)
  • Basalschicht (Stratum basale)

Die Hornschicht verhindert das Eindringen von Fremdstoffen und reduziert den Wasserverlust. In der Basalschicht entstehen ständig neue Hautzellen. Abgestorbene Zellen werden kontinuierlich abgestoßen – die Haut erneuert sich.

Spezialisierte Zellen reagieren auf mechanische Reize. Keratinozyten stabilisieren die Hautoberfläche und werden durch den Talg geschmeidig gehalten.

Lederhaut (Dermis oder Corium) - Versorgung und Elastizität

Die Dermis enthält Blutgefäße, Nerven, Haarfollikel sowie Talg- und Lymphgefäße. Sie versorgt die Haut mit Nährstoffen und sorgt durch ihr Bindegewebe für Reißfestigkeit und Elastizität. Ohne eine gesunde Dermis verliert die Haut ihre Widerstandskraft. Die Oberhaut und die Unterhaut werden durch die Lederhaut miteinander verbunden.

Unterhaut (Subcutis) - Isolation und Speicher

Die Subcutis besteht aus fett- und lockerem Bindegewebe. Sie isoliert gegen Kälte, speichert Energie und behördliche Schweißdrüsen. Gleichzeitig unterstützt sie die Entgiftung über die Haut.

Eigenschaften und Aufgaben der Haut

    Die Haut ist ein multifunktionales Organ mit zentralen Aufgaben für die Pferdegesundheit:

    • Schutz vor Keimen: Ein stabiler pH-Wert und natürliche Mikroorganismen wehren Krankheitserreger ab
    • Temperaturregulierung: Schweißbildung kühlt, reduzierte Durchblutung schützt vor Wärmeverlust
    • Entgiftung: Stoffwechselabfälle und Toxine (giftige Substanzen) werden über Schweiß- und Talgdrüsen ausgeschieden
    • Vitamin-D-Bildung: Aktivierung durch Sonnenlicht
    • Aufnahme und Abgabe von Stoffen: Die Haut ist ein Zwei-Wege-System. Es werden über die Haut Substanzen von innen heraus abgegeben und gleichzeitig von außen aufgenommen
    • Abwehr von pathogenen Keimen : Mikroorganismen auf der Haut wehren bei intaktem pH-Wert ab, lange bevor das Immunsystem aktiv werden muss

    Deshalb sind Hautveränderungen oft Frühwarnzeichen innerer Belastungen , etwa bei überlasteten Entgiftungsorganen.

    Warum kommt es zu Hauterkrankungen?

    Hauterkrankungen beim Pferd entstehen meist durch ein Zusammenspiel äußerer und innerer Faktoren. Ist die Haut gesund, dann ist sie  frei von Schuppen . Die Talgbildung ist normal. Gesunde Haut ist die Basis dafür, dass glänzendes, gesundes Fell und Langhaar wachsen.

    Interne und externe Faktoren haben Einfluss auf die Gesundheit der Haut. Sie können diese in Gesundheit und Funktion unterstützen oder zu Beeinträchtigungen, bis hin zu Hauterkrankungen führen.

    Äußere Einflüsse

    Alles, was direkt mit der Haut in Kontakt kommt, kann die Hautbarriere beeinflussen und bestimmte Stoffe können die Haut durchlässig machen und unerwünschte Substanzen in den Organismus einschleusen:

    • Salben und Cremes
    • Körperpflegeprodukte wie Shampoos, Fell- und Mähnensprays
    • Desinfektionsmittel wie Blauspray, Medikamente
    • Rückstände von Waschmitteln und Imprägnierungen an Ausrüstungsgegenständen wie Decken
    • Holzschutzmittel, Farben, Lacke an Objekten, an denen sich das Pferd im Stall und auf der Koppel bzw. Paddock reibt oder scheuert
    • verschiedene Umweltgifte wie Feinstaub
    • Propylenglykol ist in vielen Mähnensprays und Shampoos enthalten und sorgt für leichte Kämmbarkeit
    • Natriumlaurylsulfat (Sodium Lauryl Sulfat) ist ein Tensid, das in Shampoos als Emulgator verwendet wird. Emulgatoren sorgen dafür, dass sich ölige und wässrige
      Substanzen mit anderen vermischen können, aber Hautreizungen verursachen und die Haut durchlässig machen können.
    • DMSO durchdringt die Haut und macht sie aufnahmefähig für andere Substanzen, kann diese sogar aktiv in den Körper einschleusen - gewollte (heilsame) wie ungewollte (toxische) Substanzen gleichermaßen.

    Interne Einflüsse

    Auch die Fütterung spielt eine zentrale Rolle:

    • Mangelhafte Versorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen kann zu sichtbaren Störungen der Haut führen
    • Unpassende Futterergänzungen z. B. Organisches Selen, das an der Stelle von Schwefel in Strukturen eingebaut wird
    • Fütterung von Ölen oder sehr fetthaltigen Zusätzen bzw. Futtermittel 
    • Toxische Substanzen wie Pflanzenschutzmittel im Heu, Stroh sowie im Krippenfutter, wenn Hafer, Gerste, Mais oder Müslis mit Getreideanteil gefüttert werden

    Hautprobleme gelten außerdem als mögliche Frühmarker von Nierenbelastungen , da die Haut verstärkt an der Entgiftung beteiligt wird.

    Auffälligkeiten der Haut und des Fells

    Typische Warnsignale sind:

    • Schuppenbildung
    • Juckreiz
    • glanzloses und oder schmieriges Fell
    • schlechter Fellwechsel 
    • verzögerte Wundheilung 

    Diese Symptome sollten nicht ignoriert werden. Sie zeigen, dass die Haut Unterstützung braucht.

    Hauterkrankungen

    Häufige Hauterkrankungen beim Pferd sind:

    • Mauke und Raspe
    • Ekzeme (Sommer- und Regenekzem)
    • Plötzlich auftretende Wunden mit ungeklärter Ursache 
    • Hautpilz
    • krankhafte Veränderungen der Haut (z. Bsp. Sarkoide - auch ein Zeichen für eine Immunschwäche)

    Auch vermehrte Smegma-Bildung bei Wallachen oder Probleme an den Hufen, etwa Strahlfäule, können mit gestörter Entgiftung über die Haut zusammenhängen.

    Befall mit Ektoparasiten

    Pferde mit belasteter Haut sind für Parasiten (Milben, Haarlinge, stechende, beißende und blutsaugende Insekten) oft attraktiver. Das Ausscheiden verschiedener Substanzen über die Haut verändert den Körpergeruch. Gleichzeitig reagiert geschwächte Haut empfindlicher auf Stiche.

    Die Folge können sein:

    • stärker Juckreiz
    • Quaddeln und Nesselsucht
    • allergische Reaktionen

    Eine stabile Hautbarriere reduziert das Risiko deutlich.

    Mangel an Mikronährstoffen

    Für eine gesunde Haut benötigt der Körper präzise Bausteine:

    • Zink und Schwefel
    • Aminosäuren
    • Vitamin
    • Spurenelemente

    Ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren kann die Mängel schneller auslösen. Eine der am häufigsten festzustellenden Ursachen liegt im Darm. Genauer im einem gestörten Darmmilieu, einer pathologischen (krankmachenden) Veränderung der Darmflora und Darmschleimhautentzündungen.

    • Antibiotika: Sie töten nicht nur pathogene Keime ab, sondern auch die im Körper 
      benötigten Mikroorganismen, wodurch die Nährstoffaufnahme und -verarbeitung beeinträchtigt wird. 
    • Magen- und Zahnprobleme: Weitere Ursachen sind Erkrankungen des Magens, sowie einige Therapiemethoden, die die Magenfunktionen beeinträchtigen und Störungen des Zahnapparates, die das Pferd daran hindern, das Futter richtig zu kauen (verminderter mechanischer Aufschluss).
    • Fehlerhafte Fütterung: Futter, das nicht geeignet ist, das Pferd mit allen wichtigen Nähr-, Vital- und Mineralstoffen zu versorgen.

    Ein gesunder Darm ist die Grundlage für eine funktionierende Haut.

    Weitere Störfaktoren

    Der Kontakt mit oder der Verzehr bestimmter Pflanzen erhöht die Photosensibilität (Lichtempfindlichkeit der Haut auf UV-Strahlung). Dazu gehören:

    • Johanniskraut
    • Doldenblütler wie Bärenklau und Wiesenkerbel
    • Riesenbärenklau verursacht unter Sonneneinstrahlung schwerste Verbrennungen bis hin zu Verbrennungen 3. Grades
    • Zitrusfrüche
    • Buchweizen
    • Kräuter wie Petersilie , Koriander , Pastinaken (Kraut), Sellerie (Kraut) und
      Möhren (Kraut)

    Auch ungünstige Wetterbedingungen spielen eine Rolle. Dauerfeuchtes Fell begünstigt Hautpilz und Regenekzem – vor allem bei geschwächter Haut.

    Mangelhafte Hygiene und Pflege der Pferdehaut und des Fells

    Domestizierte Pferde sind auf Pflege angewiesen. Schweiß, Schmutz und Reibung können sonst zu Hautschäden führen.

    Wichtig sind:

    • Gründliches Putzen vor dem Satteln
    • Saubere Decken und Ausrüstungsgegenstände
    • Kontrolle bei dichtem Behang
    • Vermeidung von Druck- und Scheuerstellen
    • Verwendung von milden, auf Pferde abgestimmten, neuen Materialien

    Gute Hygiene ist aktiver Hautschutz.

    Fazit: Gesunde Pferdehaut ist ein System, kein Zufall

    Gesunde Haut entsteht aus dem Zusammenspiel von Pflege, Ernährung und Haltung. Wer nur Symptome behandelt, übersieht die Ursache. Wer die Haut als zentrales Organ versteht, schafft die Basis für glänzendes Fell, stabile Abwehr und ein Pferd, das sich sichtbar wohler fühlt.

     

    Autorin:
    Melanie Golz, Tel.: 0170-2636213, Mail: melanie-golz@web.de
    Ernährungsberatung für Pferde, Stoffechselberatung, Erstellen individueller Therapiekonzpte

    Foto: www.myhorse.care I Anja Seifert

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